Wo das Winterfutter noch von Hand gewonnen wird – ein uraltes Kulturgut.
Die bunten Bergwiesen rund um Ehrwald, Lermoos und das Außerfern erzählen eine Geschichte harter Arbeit: Wo die Hänge zu steil fürs Weidevieh sind, wird das Gras noch gemäht, gewendet und als kostbares Bergheu eingebracht – das Winterfutter für das Vieh.
Diese Form der Heugewinnung an steilsten Lagen – die Bergmahd – ist bis heute vielerorts nur in Handarbeit möglich und zugleich ein Garant für die einzigartige Artenvielfalt der Bergwiesen.
Als Bergmähder bezeichnet man Wiesenflächen an sehr steilen Hängen im Hochgebirge. Fürs Weidevieh sind sie zu gefährlich – doch für die Bergbauern sind sie eine wichtige zusätzliche Fläche zur Heugewinnung. Diese Arbeit nennt man „Wildheuen", das Mähen selbst schlicht die „Mahd".
Früher war das ein halsbrecherisches Abenteuer: Alle verfügbaren Kräfte zogen mit Sensen und benagelten Fußeisen an die steilen Hänge. Heute erleichtern speziell für Hanglagen konstruierte Maschinen die Arbeit – ganz ohne Handarbeit geht es an den steilsten Stellen aber bis heute nicht.
Mit Sense oder Balkenmäher wird das Gras geschnitten – an steilsten Stellen früh am Morgen, solange der Tau die Halme weich hält.
Das Gras wird mit dem Rechen immer wieder gewendet, damit es von allen Seiten in der Bergsonne gleichmäßig trocknet – echte Handarbeit.
Das trockene Heu wird zusammengetragen und mit dem Ladewagen oder Heuschieber zum Heustadel gebracht – Vorrat für den langen Winter.
Die Heuarbeit begann früher vor Sonnenaufgang und dauerte bis zur Dämmerung. Ein kräftezehrender Alltag – und doch begleiteten Lieder, Sprüche und „a guatr Hamur" die Arbeit, denn Freude erleichtert selbst die schwerste Müh.
Auch heute bleibt die Bergmahd Handarbeit mit Herz – ein Bekenntnis zur Heimat und ein Beitrag zum Erhalt einer uralten Kulturlandschaft.
Regelmäßig gemähte Bergwiesen sind ein Eldorado für Schmetterlinge, Wildbienen und unzählige Insekten. Ohne die Mahd würden sie verbuschen – mit ihr bleiben seltene Pflanzen und ihre Blütenpracht erhalten.
Wenn Sie im Sommer auf Ihren Wanderungen die duftenden, frisch gemähten Bergwiesen sehen, wissen Sie nun, welche Arbeit und welche Tradition dahintersteckt. Genießen Sie diese einzigartige Kulturlandschaft – und die Köstlichkeiten, die daraus entstehen.

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